AUGSBURGER RAUCHZEICHEN

Augsburger Rauchzeichen - DesignBlog

Augsburger Rauchzeichen 5

Am Donnerstag, den 12. Okt. 2017 finden die "Augsburger Rauchzeichen" zum fünften Mal statt. ...weiterlesen

Augsburger Rauchzeichen 24.05.2017, 12.27| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Nächste Lesung

Der Egghead, die Muse und der Revoluzzer

Augsburger Rauchzeichen stiegen beim Brecht-Festival hoch. So speziell, so vielfältig sich Lyrik äußert, so individuell, so ureigen sind die Lyriker selbst: Mit Silke Scheuermann, Thomas Kunst, mit Jürgen Nendza hatten die Augsburger Rauchzeichen Autoren geladen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Konträre Charaktere, allerlei Weltbilder, gegensätzliche Auffassungen und Anschauungen prallten da im Hause Brecht aufeinander, die nicht auf einen Nenner zu bringen waren. 

Jürgen Nendza baut gewaltige Wortfelder auf, die ganze Ordner füllen. Wie ein Bildhauer im Steinquader schon die fertige Skulptur sieht, so arbeitet Nendza aus dem jeweiligen Wortmaterial akribisch genau das jeweilige Gedicht heraus, gewinnt eine sehr spezifische Sprache, als vermesse er jedes Wort, als suche er Einzigartigkeit. Er lässt sich von der Sprache leiten, die Thematik besticht in ihrer Klarheit und  Wortkraft. Seine Gedichte werden zu prägnanten Unikaten, Jürgen Nendza zeigt sich als „egghead“ der Lyrik.

Bild von Jürgen Nendza 2017

Thomas Kunst dagegen begehrte auf, legte sich an mit dem Literaturbetrieb, wetterte gegen lyrische Betriebsamkeit und Eitelkeiten, geißelte das Schattendasein der Lyrik, wie er es am eigenen Leibe erfuhr. Ja, Thomas Kunst ging hier subversive Wege, sodass z.B. seine lyrische Auseinandersetzung mit einem Kronenkorken beharrlich ins Komisch-Absurde  umschlug - auf dem Wege von der Be- zur Verfremdung. Leicht einzuordnen ist er nicht: So hing doch sein Gedicht „Spinnennetz“ voll feinster Poesie. 

Gefährdeter, empfindsamer und zugleich verletzlicher trat Silke Scheuermann in Erscheinung, als Brecht-Preisträgerin in Augsburg keine Unbekannte. Feinsinnig, als stünde sie den Musen Euterpe und Kalliope nahe, voller Sprachgefühl und Bildkraft stellt sie ihre Lyrik dar. Über ihren Sprachfluss und ihre Poesie wurde man in die Gedichte (Skizze vom Gras) oft förmlich hineingezogen. Hier traf sie gekonnt die hohe Tonlage der Lyrik, dort erdete sie versiert ihren Ton: eine sehr wandlungsfähige Dichterin. 

Keine leichte Aufgabe für Moderator Michael Schreiner, diese divergierenden Kräfte zu bändigen.

Ulrich Ostermeir

Augsburger Rauchzeichen 29.04.2017, 19.59| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Letzte Veranstaltung | Tags: Brecht-Festival, Silke Scheuermann, Thomas Kunst, Jürgen Nendza,

2017
<<< September >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    010203
04050607080910
11121314151617
18192021222324
252627282930